Hans Jüchser

Spätes Selbstportrait im Atelier 1973

Hans Jüchser

* 14.07.1894 Chemnitz
† 13.08.1977 Dresden-Loschwitz

Hans Jüchser wuchs als Sohn eines Lehrers in Chemnitz auf, besuchte die Bürgerschule der Stadt und das Lehrerseminar in Stollberg. Nachdem er, wie viele seiner Generation am 1. Weltkrieg teilnahm, arbeitete er noch für 1 Jahr in Bockau im Erzgebirge als Lehrer und ging 1919 nach Dresden. Dort schrieb er sich an der Kunstgewerbeschule, ein Sprungbrett für so viele bekannte Maler dieser Zeit, ein und wurde Mitglied der Künstlervereinigung Dresden.

Er zog in dieser Studienzeit nach Dresden-Wachwitz und begann 1923 folgerichtig sein Studium an der Kunstakademie Dresden, wurde Meisterschüler bei Otto Hettner und Ludwig von Hoffmann, wobei Hettner wohl den größeren Einfluss auf Hans Jüchsers künstlerische und auch persönliche Entwicklung hatte. Neben seinem freien Schaffen als Maler unternahm er während des Studiums bis 1928 auch Studienreisen nach Schweden und Bornholm. Er wird als ein stiller Mensch beschrieben, ein Maler, der den Menschen sucht, der „Menschenorte“ malt. Und er sucht Kontakt zu Gleichgesinnten, wird 1930 Mitglied der ASSO Dresden, 1932 Mitglied der „Dresdener Sezession 1932“ und tritt 1934 der „Gruppe der Aufrechten 7“ bei, der Johannes Beutner (Link), Otto Griebel, Josef Hegenbarth (Link), Karl Kröner, Wilhelm Lachnit, Paul Wilhelm und Fritz Winkler angehören und die bis in die Nachkriegszeit zusammenhält. Sein Frühwerk konnte man durchaus dem Spätimpressionismus und partiell der Neuen Sachlichkeit zuordnen, ging aber durch Vernichtung als Entartete Kunst 1937 (6 Gemälde) und im Bombenhagel am 13. Februar 1945 verloren. Er selbst nahm von 1940 – 45 am 2. Weltkrieg teil und kam nach der Entlassung 1949 aus der Kriegsgefangenschaft wieder nach Dresden zurück. Obwohl in der spannenden, bewegten, blühenden Zeit zwischen den Weltkriegen im reichen Dresdener Künstlerspektrum eher dem linken Lager zugehörig, deshalb auch im Nazideutschland sanktioniert, folgte er nach seinen Erfahrungen in Krieg und Gefangenschaft nicht uneingeschränkt dem von Kulturfunktionären diktierten Sozialistischen Realismus und erntet Mißtrauen und Nichtbeachtung bei großen Kunstausstellungen der 50er, 60er und 70er Jahre. Ausstellungen 1960 in Karl-Marx-Stadt, 1961 im Schloss Pillnitz, 1977 in Weimar seien erwähnt, wo sein hauptsächlich Stilleben, Potraits und Landschaften umfassendes Spätwerk gezeigt wurde.

Henrick Weiland schrieb 1994: „Das Lebenswerk Hans Jüchsers fällt als Fadensonne, als Lichtton: weich, warm, verletzbar, traurig, erfüllt, sachlich, leuchtend, ernst, freudvoll – menschlich. Harmonie und Ausgleich; es sind noch Lieder zu singen jenseits der Menschen.“

Quellen: Maler und Werk – Brigitte Jähner 1980;
Katalog: Kunstausstellung Kühl Dresden 1994 Hans Jüchser;
Foto: Gerhardt Döring